Stündlich grüßt das Murmeltier

Letzten Sonntag bei 3SAT: Um 20:15 Uhr „Fräulein Smillas Gespür für Schnee“. Danach die Beziehungskomödie „Happy Happy“. Wiederholung des Vorhergehenden ab 00:20 Uhr. Nicht anders beim digitalen ARD-Spartensender EinsFestival. Hier wird der Tatort gleich zweimal wiederholt: Um 21:45 Uhr und um 23:45 Uhr. Am gleichen Tag wohlgemerkt. Später werden sich die Landesrundfunkanstalten zwischen Hamburg und München seiner annehmen.

Maßloses Recyceln von Programminhalten, bislang Alleinstellungsmerkmal der Privaten, ist längst auch im  zwangsfinanzierten öffentlichen Fernsehen Gang und Gebe.

Warum? Das ließ die Presse vor einigen Tagen durchblicken: ARD und ZDF verwenden weit weniger Geld für Programmproduktionen, als ihnen von der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) zugestanden wird, schrieb der Tagesspiegel. Stattdessen würde ein Großteil der zugestandenen Mittel genutzt, um Personalkosten zu decken.

Kein Wunder. Die ARD beherbergt mehr als ein halbes Dutzend regionaler Sendeanstalten. Ferner das Nischenprodukt Deutsche Welle sowie drei digitale Angebote. Das ZDF füttert neben dem Hauptprogramm ebenfalls drei digitale Programme durch. Nicht zuletzt die mit der ARD und anderen betriebenen Gemeinschaftsproduktionen ARTE, 3Sat, KiKA und Phoenix. Hinzu kommt der Betrieb vielfältiger Internetseiten mit aufwendigen Nachrichtenportalen. Das Sponsoring regionaler Stadtfeste, Konzerte und und und.

Ein teurer Spaß. Mittlerweile müssen fast 20 Programme und diverse Online-Auftritte am Laufen gehalten und mit Content gefüttert werden.

Expansion und Liebhaberei kosten Geld. Eine Binsenweisheit, die in den Wärmestuben der Öffentlich-Rechtlichen noch nicht angekommen zu sein scheint. In Ermangelung derselben wird Masse gegen Klasse ersetzt und der Fernsehwillige mit Austauschbarem beschummelt. Von „Drehscheibe“ und „Mittagsmagazin“ bis hin zu „Brisant“ und „Hallo Deutschland“. Mit Endlosschleifen über Gorilla, Panda, Affe & Co. nebst unsäglich dämlichen Seifenopern, die nichts anderes sind als ein Blankoscheck für die zwangsfinanzierten Filmseilschaften um Christine Neubauer, Fritz Wepper und Francis Fulton-Smith.

Nicht zu vergessen – Wiederholungen am laufenden Band, auf digitalen Spartensendern, die einst als Heimstätte innovativer Inhalte gegründet worden waren.

Die bisherige Lösung für stetig steigende Personalien? Gebührenerhöhung.

Die Alternative: Schluss mit immer gleichen Formaten. Lasst uns das ZDF einfach abschalten. Phoenix übernimmt die Sportsendungen der ARD. ARTE und 3SAT fusionieren. Das digitale Angebot auf maximal zwei Programme reduzieren. Ergebnis: Finanzielle Freiräume. Weniger Wiederholungen. Mehr Geld für hochwertige Produktionen à la BBC.

Ein guter Ansatz für Lieferanten und Kunden gleichermaßen.

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Text: Sarah Paulus (www.sarahpaulus.de)
Grafik: Rolf G. Wackenberg (www.wackenberg.com)

 

Über Sarah Paulus

Ich bin freie Autorin mit Fokus auf Reportagen und aktuelle Themen rund um Reise, Politik, Menschen und Kultur. Meine Artikel und Reportagen wurden u.a. in der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, der Morgenpost, dem Tagesspiegel, der Welt/Welt am Sonntag, bei Spiegel Online sowie in diversen Magazinen veröffentlicht. Sarah Paulus
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Eine Antwort zu Stündlich grüßt das Murmeltier

  1. Hermann schreibt:

    Recht haste!

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