Zeltplatz kann jeder – Teil 6

Unser Top 5 Reise-ABC

Abschließend unsere Top 5 des Reise-ABCs für Jedermannsrechtler, damit wildes Campen nicht mit bösem Erwachen endet. Sie gelten nicht nur für Schweden, sondern können bedenkenlos auch in Deutschland, der Schweiz oder Frankreich angewendet werden:

§1: Störe und belästige niemanden durch deine Anwesenheit. Übernachtungen in Sichtweite von privaten Anwesen sind keine wirklich gute Idee. Ebenfalls tabu ist das Übernachten auf Waldwegen, auch wenn diese noch so einsam erscheinen. Man glaubt gar nicht, wer im Morgengrauen alles unterwegs ist – Jäger, Angler, Frühaufsteher auf dem Weg zur Arbeit, die mal eben eine Abkürzung durch den Forst nehmen. Gleiches gilt für Wege zu oder Plätze neben landwirtschaftlich genutzten Flächen. Eine Sommernacht vor einem mannshohen Maisfeld mag romantisch sein. Wenn jedoch das Ernte-Platoon anrückt, ist der Spaß vorbei.

§2: Mach dich unsichtbar. In Ermanglung eines Zauberstabs könnte das z.B. heißen ein Gefährt zu wählen, das nicht sofort als rollende Herberge erkennbar ist. Ein klares Votum GEGEN den großen Wohnwagen mit auffälligem Verdunklungsset und FÜR jedwede Art von Transporter und Minibus. Wenn die Heckscheiben getönt sind, umso besser. Von außen uneinsehbar. Von innen hingegen ein Zimmer mit Aussicht auf das Geschehen rund herum. Wenn das Gefährt dann nicht noch als Wäschetrockner für feuchte Handtücher zweckentfremdet wird, wird kaum jemand ahnen, dass in seinem Inneren gerade mächtig geträumt wird. So geschehen in Vänarmo, wo wir neben einem Friedhof campierten, morgens gegen 8 Uhr eine Truppe Landschaftsgärtner eintraf, die ihren Arbeitstag mit einem ausgiebigen Frühstück direkt neben unserem Dickerchen begannen und zu Tode erschraken, als zwei unfrisierte Geister die Schiebetür öffneten.

§3: Achte auf das Wetter. Zur Erinnerung für Großstädter: Wetter ist ein tägliches Phänomen. Der wilde Camper ist dieser Alltäglichkeit weit mehr ausgeliefert als der Pauschalreisende im Schutz des Betonhotels. Ein romantisches Waldstück mag durchaus ein perfekter Platz sein. Nicht jedoch dann, wenn Gewitter und Sturm aufziehen. Starkregen kann duftige Sommerwiesen recht schnell in sumpfartiges Terrain verwandeln. Am Morgen bis zu den Felgen in der Pampe festzustecken, vereitelt dem größten Optimisten die Reisefreude. Zumal dann guter Rat teuer ist.

§4: Meide die Öffentlichkeit. Auch wenn öffentliche Parkplätze nicht unbedingt das sind, was sich der professionelle Individualcamper erträumt, können sie hin und wieder eine schnelle Alternative sein. Zu vermeiden sind jedoch all jene Areale, die mit Kameras überwacht werden. Nicht zuletzt Parkplätze vor Aldi, Lidl, Rewe oder ähnlichen Frühaufsteherzonen, wo bereits ab 7 Uhr morgens großer Betrieb ist.

§5: Wehre den Versuchungen. Wilde Übernachtungen entlang von Autobahntrassen sind keine gute Idee. Das gilt insbesondere für Wohnmobilreisende, die selbst im schönen Schweden hin wieder Opfer von Überfällen werden.

Fazit: Jedermannsrecht ist eine praktikable Sache, sofern der Outdoor-Fan einige wenige Grundregeln beachtet. Es ermöglicht freies und ungezwungenes Reisen mit überschaubaren Kosten. Dennoch ist Jedermannsrecht nichts für Jedermann. Wer Duschen als Nonplusultra betrachtet, sollte die Finger davon lassen. Überhaupt wird Outdoor-Reisen nie ein Massenphänomen sein, sondern immer nur von einer Minderheit praktiziert werden, was wiederum seinen Reiz ausmacht.

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Text: Sarah Paulus (www.sarahpaulus.de)
Foto: Rolf G. Wackenberg (www.wackenberg.com)

Über Sarah Paulus

Ich bin freie Autorin mit Fokus auf Reportagen und aktuelle Themen rund um Reise, Politik, Menschen und Kultur. Meine Artikel und Reportagen wurden u.a. in der FAZ, der Süddeutschen Zeitung, der Morgenpost, dem Tagesspiegel, der Welt/Welt am Sonntag, bei Spiegel Online sowie in diversen Magazinen veröffentlicht. Sarah Paulus
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